300 Jahre Adel und Bürgertum 

1645 bis 1945


„Lütten Roge“, wie es seinerzeit heißt, wird in den Akten des Landeshauptarchivs in Schwerin erstmals 1645 erwähnt.

Seitdem hatte das rd. 600 Hektar große Gut, das in besonders schöner Lage direkt am Naturschutzgebiet Teterower Heidberge, sowie eingerahmt von den idyllischen Wäldern des Roger Os und des Hohen Holz´s gelegen ist, mehrere Besitzer.

Im Jahre 1704 wird es im Eigentum des Ehrenoberst v. Vieregge aus dem Nachbarort Zierstorf erwähnt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wechselt der Besitz zwischen den Grafen von Hahn und den Grafen v. Hessenstein – nach denen wir den Ferienbetrieb „Schloss Hessenstein“ genannt haben – hin und her. 1799 gehört es dem Kammerrat Otto Conrad Graf v. Hahn, 1803 den Grafen v. Hessenstein, 1806 wiederum dem Grafen v. Hahn zu Remplin und von 1809 bis 1827 erneut den Grafen v. Hessenstein. 

Handelt es sich bei den Grafen v. Hahn um eine der bedeutendsten Grundeigentümerfamilien Mecklenburgs sind die Grafen v. Hessenstein uneheliche (einst nicht-ebenbürtige) Nachkommen keines geringeren als des schwedischen Königs Friedrich I. v. Hessen-Kassel. 

 

Die Mutter dieser Kinder, die später rehabilitiert werden und den Titel der Grafen v. Hessenstein erhalten, war die offizielle Mätresse des Königs, Gräfin Hedvig Ulrika Taube v. Odenkat, Tochter des schwedischen Grafen und Reichsadmirals Eberhard Diedrich Taube v. Odenkat. 


1827 veräußern die Grafen v. Hessenstein ihren aus Klein Roge sowie den umliegenden Dörfern Zierstorf, Bartelshagen und Warnkenhagen bestehenden Besitz vollständig. Der Erlös dürfte auf Gut Panker in Ostholstein verwendet worden sein. 

 

Neuer Eigentümer des Roger Gutes wird der Bürgerliche Heinrich Müller aus Watzkendorf, der jedoch noch im selben Jahr bei einem tragischen Jagdunfall tödlich verunglückt. Seine Schwester heiratet den 1797 in Ankershagen geborenen Johann August Friedrich Wilhelm Held und führt mit diesem das Gut fort.

Zu jener Zeit heißt es, dass Klein Roge ein sehr dankbares Gut sei, das seinen Besitzer nicht im Stich lässt. Wilhelm Held gilt als tüchtiger Landwirt und hilfsbereiter Mensch. Als Besitzer eines landtagsfähigen Gutes spielt er im mecklenburgischen Landtag eine aktive Rolle. Als Angehöriger des fortschrittlich-liberalen Lagers der bürgerlichen Abgeordneten unterstützt er nicht selten die Politik seines Gutsnachbarn Johann Daniel Pogge auf Roggow, der auch Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und enger Freund des auf dem Nachbargut Tellow beheimateten bekannten deutschen Agrar- und Wirtschaftswissenschaftlers Johann Heinrich von Thünen ist. Am Roggower Protokoll vom 20. April 1848, das die Verbesserung der Lage der Landarbeiter fordert, sind die befreundeten und teils verwandten Gutsbesitzer der Nachbargüter Roggow, Tellow und Klein Roge maßgeblich beteiligt. 


Im Jahr 1866 lässt der sehr erfolgreiche Landwirt Wilhelm Held das bis dahin wenig ansehnliche Herrenhaus von dem in Wismar geborenen und in Wismar verstorbenen Mecklenburger Stararchitekten jener Zeit, Heinrich Gustav Thormann, einem Schüler der 1799 vom Preußen König Friedrich Wilhelm III. gegründeten Berliner Bauakademie unter den Schinkel-Schülern Wilhelm Stier und Friedrich August Stüler,  im schlossartigen Tudor-Stil neu errichten. 

 

Es entsteht ein geräumiger mehrgeschossiger Putzbau, der hinter einem Karree aus alten Linden etwas erhöht stehend den Blick auf eine Freitreppe eröffnet. Hof- und parkseitig überragt ein Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel und über dem Hauptportal befindlicher Uhr das Dach. Dem Geschmack der Zeit folgend wird um das Haus ein Park mit Springbrunnen und langen Hecken angelegt.

1872 stirbt Wilhelm Held I. Beerbt wird er von seinem Sohn, Domänenrat Wilhelm Held II., der ebenfalls ein passionierter und besonders erfolgreicher Landwirt ist. Als auch er 1906 verstirbt wird das Gut von dessen Sohn Wilhelm Held III. im Alter von nur 25 Jahren übernommen. 

Der für seine besonders liebenswürdige Art und Gastfreundschaft bekannte Wilhelm Held III., der Freimaurer gewesen sein soll, lässt als einer der ersten im weiten Umkreis eine Anlage zur Gewinnung elektrischer Energie sowie einen Tennisplatz errichten. Ferner beauftragt er den Bau der heute noch vorhandenen Wirtschaftsgebäude, so des Getreidespeichers mit Gutsbackofen und Räucherkammer (heute Hof Nr. 3), des Kuhstalls (heute Hof Nr. 4), der Kutschenremise und des Marstalls (heute Hof Nr. 7), des Schweinstalls (heute Hof Nr. 9) sowie der Stellmacherei (heute Hof Nr. 10), die allesamt noch existieren und Klein Roge damit zu einem der wenigen fast vollständig erhaltenen Gutsensembles in der Mecklenburger Schweiz machen.
 

1921 stirbt Rittergutsbesitzer Wilhelm Held III. der Überlieferung zu Folge aufgrund eines Zuckerleidens. Da er unvermählt und ohne Nachkommen geblieben war, verkaufen seine Schwestern das Gut 1925 an die aus Preußen stammende Familie Walter Domanski. Diese führt Gut und Betrieb bis zur Enteignung 1945 fort.